Liebe
rotarische Freundinnen und Freunde
In den letzten
Wochen wurde viel über das aussergewöhnlich warme Wetter gesprochen. Egal wo
man sich traf – früher oder später war das Wetter ein Thema. Manchmal habe ich
mir dabei gedacht: Wenn über Rotary und unsere vielen Projekte ebenso
selbstverständlich gesprochen würde, hätten unsere rotarischen Botschaften
bereits eine beachtliche Reichweite.
Natürlich
wissen wir alle: Positive Nachrichten verbreiten sich oft weniger schnell als
negative Schlagzeilen. Und doch haben gerade positive Geschichten eine
besondere Kraft. Sie zeigen, was Menschen gemeinsam bewirken können. Sie machen
Mut. Und sie laden andere ein, ebenfalls Teil davon zu werden.
Rotary
International bringt es mit dem Leitsatz «People of Action» sehr treffend auf
den Punkt. Rotary ist keine Idee auf dem Papier. Rotary geschieht dort, wo
Menschen handeln: in sozialen Projekten, im Jugenddienst, in internationalen
Partnerschaften, bei lokalen Hilfsaktionen, in persönlichen Begegnungen
und in der stillen, verlässlichen Arbeit vieler Clubs.
In unseren
Clubs wissen wir, was geleistet wird. Wir erleben es an Meetings, in
Projektgruppen, bei Hands-on-Einsätzen und in Gesprächen mit Menschen, denen
geholfen wurde. Gleichzeitig fällt es uns in der Schweiz manchmal schwer,
darüber zu sprechen. Vielleicht gehört eine gewisse Zurückhaltung zu
unserer Kultur. Man tut etwas Gutes, ohne grosses Aufheben darum zu machen. Das
ist sympathisch – und sehr schweizerisch. Aber es hat auch eine Kehrseite: Wenn
wir zu wenig erzählen, bleibt vieles unsichtbar.
Dabei geht es
nicht darum, sich selbst zu feiern. Es geht darum, Wirkung sichtbar zu machen.
Wer sieht, was Rotary bewirkt, versteht besser, wofür wir stehen. Wer versteht,
wofür wir stehen, wird eher neugierig. Und aus dieser Neugier können Fragen
entstehen, die für die Zukunft unserer Clubs wichtig sind: Was macht
Rotary eigentlich? Wer engagiert sich dort? Kann man mitmachen?
Gerade mit
Blick auf die Mitgliedschaft und die Entwicklung unserer Clubs ist Sichtbarkeit
deshalb zentral. Für unser soziales Engagement und unsere Hands-on-Projekte
brauchen wir aktive Clubs mit einer guten Altersdurchmischung. Dazu gehört,
dass wir uns immer wieder fragen, wie unser Clubleben auf jüngere und
ältere Mitglieder wirkt. Bieten wir Menschen ein Club-Zuhause, in dem sie sich
willkommen fühlen, sich einbringen können und gerne Verantwortung übernehmen?
Es geht nicht nur darum, neue Mitglieder zu gewinnen. Es geht ebenso
darum, langjährige, verdiente Mitglieder zu halten und die Stärken
verschiedener Generationen miteinander zu verbinden.
Umso
erfreulicher ist es, dass diese Überlegungen bereits in vielen Action Plans der
Clubs aufgenommen wurden. Das zeigt: Clubentwicklung ist kein abstraktes Thema,
sondern eine konkrete Aufgabe, die vielerorts aktiv angegangen wird. Kleine
Schritte können dabei viel bewirken – ein offener Anlass, ein sichtbares
Projekt, ein persönliches Gespräch, ein gemeinsamer Auftritt mehrerer Clubs
oder ein Bericht, der zeigt, was Rotary vor Ort leistet.
Ein schönes
Beispiel für rotarische Wirkung findet sich auch in diesem Newsletter: der
Bericht über die Europareise von Austauschschülerinnen und Austauschschülern
aus der Schweiz. Begleitet wurden sie auf einem Teil ihrer Reise von Rot. Gaby
Henzmann vom RC Gösgen-Niederamt, Mitglied der Kommission Jugenddienst.
Was junge Menschen aus einem Austauschjahr mit nach Hause nehmen, ist in den
allermeisten Fällen weit mehr als eine Reiseerfahrung. Es ist Lebensschule:
Offenheit, Selbständigkeit, Freundschaften über Grenzen hinweg und ein
neues Verständnis für andere Kulturen.
Grossartig ist
deshalb auch, was die am Austauschprogramm teilnehmenden Clubs leisten. Sie
suchen Gastfamilien, begleiten Jugendliche, öffnen Türen und tragen dazu bei,
dass junge Menschen prägende Erfahrungen machen dürfen. Auch das ist Rotary:
Begegnungen ermöglichen, Horizonte erweitern und Vertrauen über Grenzen
hinweg schaffen.
Wenn wir
solche Geschichten erzählen, machen wir nicht Werbung im lauten Sinn. Wir
zeigen einfach, was Rotary ist und was Rotary kann. Sichtbarkeit entsteht nicht
durch grosse Kampagnen allein, sondern durch viele kleine, glaubwürdige
Geschichten aus unseren Clubs. Erzählen wir sie öfter – im persönlichen
Gespräch, auf der Clubwebseite, in lokalen Medien, auf Social Media oder im
Austausch mit Interessierten. Nicht laut, aber klar. Nicht selbstgefällig,
sondern mit Freude an dem, was gemeinsam möglich ist.
Ich wünsche
euch einen guten September, inspirierende Begegnungen in euren Clubs und den
Mut, die Wirkung von Rotary sichtbar zu machen. Denn was leuchtet, darf man
auch sehen.
Euer DG
Urs F. Meyer